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Verbandsversammlung 2011

Die Firmen müssen ihren sozialen Beitrag leisten

 

Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes 2011 in Hessisch Oldendorf/ Vielfältige Arbeit der Feuerwehren wurde von den Ehrengästen gewürdigt

„Feuerwehren sind unentbehrlich“, betonte die SPD-Bundestagsabgeordnet Gabriele Lösekrug-Möller in ihren Grußworten im Rahmen der 38. Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Hameln-Pyrmont. Neben der Bundestagsabgeordneten konnte der Verbandsvorsitzende und Kreisbrandmeister Frank Wöbbeck dazu im Baxmann-Zentrum (vormals Stadthalle) Hessisch Oldendorf nicht nur 281 Delegierte aus 116 Ortswehren und 6 Werkfeuerwehren begrüßen, sondern auch die Landtagsabgeordneten Otto Deppmeyer (CDU) und Ulrich Watermann (SPD), Landrat Rüdiger Butte, Hessisch Oldendorf Bürgermeister Harald Krüger, Branddirektor Klaus Wickboldt als Dezernatsleiter der Polizeidirektion Göttingen, Dr. Christian Kielhorn vom Innenministerium sowie viele weitere Gäste aus Politik, Verwaltung und Vertreter von befreundeten Verbänden und Organisationen. Dazu kamen etliche Feuerwehr-Führungskräfte aus den Nachbarlandkreisen und aus Nordrhein-Westfalen, die angeführt wurden vom dem Vize-Präsidenten des Niedersächsischen Landesfeuerwehrverbandes, Bernd Keitel.

In den Grußworten der Ehrengäste fand die Arbeit der Feuerwehren eine vielfältige Würdigung. Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger etwa erklärte, die Wehren leisteten viel Arbeit in den Orten, und das auch in der Jugendarbeit oder bei vielfältigen Veranstaltungen. „Diese Strukturen müssen erhalten bleiben und die Jugendarbeit muss vorangetrieben werden, um den Nachwuchs zu sichern“, so Krüger. Landrat Rüdiger Butte sah machte sich Gedanken zur Mitgliederstärke in den Feuerwehren und erwähnte unter dem Stichwort „demografischer Wandel“, dass bis zum Jahr 2030 die Einwohnerzahlen im Landkreis auf 128.000 sinken könnten. Um die Aktivenzahlen weiter halten zu können, ist nach seiner Meinung eine Beteiligung der Wirtschaft zwingend erforderlich. Rüdiger Butte: „Die Firmen müssen ihren sozialen Beitrag leisten und erkennen, dass auch sie jederzeit die Hilfe der Feuerwehren benötigen könnten.“ Er betonte weiter, ein erfahrenes Feuerwehrmitglied sei auch im Berufsleben ein wertvoller Mitarbeiter. Der Landrat denkt darüber nach, Firmen und Betriebe, die sich im Landkreis für die Feuerwehren einsetzen, besonders auszuzeichnen. Aber auch auf die aktuelle Situation nach dem Atomunfall in Japan ging der Landrat ein, sprach von einem hohen Medieninteresse, das auch hier zu verspüren sei. Butte möchte gerne das Katastrophenschutzgesetz geändert haben. Bei einem Atomunfall in Grohnde könne man die Lage, wie bisher geregelt, nicht von hier aus leiten, da sie weit über die Kreisgrenzen hinausgehe. Dies müsse auf Landes- oder sogar Bundesebene geschehen und deshalb will sich Rüdiger Butte schriftlich an den niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann wenden.

In seinem Rückblick auf 2010 sprach der Verbandsvorsitzende Frank Wöbbecke erfreut die Schaffung einer zusätzlichen Stelle in der Feuerwehrtechnischen Zentrale Kirchohsen an oder die Beschaffung eines neuen Gerätewagens Atemschutz/Strahlenschutz und verweis auf die Aufstellung des Haushaltsbedarf bis 2020. Ein gefundener Kompromiss in Sachen „Richtlinien zur Verteilung der Feuerschutzsteuermittel“ sei beispielhaft für die sehr gute Zusammenarbeit im Fachausschuss zwischen Politik, Verwaltung und Feuerwehr. „Ein Zusammenwirken von Politik, Verwaltung, Feuerwehr und auch Wirtschaft ist wohl notwendig, um die personellen Herausforderungen der Zukunft zu meistern“, erklärt Frank Wöbbecke zudem. Mit Blick auf die Beschleunigung des Mitgliederrückgangs bei den Aktiven und bedenklich stimmenden Zahlen auch aus dem Bereich der Jugendfeuerwehren setzte sich der Kreisbrandmeister erneut für die Gründung von Kinderfeuerwehren ein. Der Verbandsvorsitzende: „Es wird uns nicht gelingen, die große Masse an Erwachsenen nun plötzlich in die Feuerwehr zu bekommen. Zu schauen, dass von unten etwas nachkommt, dazu haben wir jetzt noch Gelegenheit.“

Einen Blick auf das Zahlenwerk und das Einsatzgeschehen im vergangenen Jahr warf der stellvertretende Kreisbrandmeister Frank Müller. Er musste auf einen Rückgang bei den Aktiven von 50 auf nunmehr 3518 Mitglieder verweisen, wobei der Frauenanteil mit 424 bei gut 12 Prozent liegt und sich somit leicht erhöhte. 5383 Gesamteinsätzen mussten 2010 bewältigt werden, die das breite Spektrum der 116 Freiwilligen Feuerwehren aufzeigten. Ein Großteil dieser Einsätze bezieht sich dabei auf Hilfeleistungseinsätze, aber auch auf Rettungsdienst- und Krankentransporteinsätze der Hauptberuflichen Wachbereitschaft der Feuerwehr Hameln, erklärt Frank Müller. Die Anzahl der Brandeinsätze lag mit 457 um 15 höher als im Vorjahr. Die Großbrände haben sich von elf auf neun reduziert. Bei einem Blick auf einzelnen Einsätze erklärt Frank Müller: „Das Jahr begann erst mit Eisregen, dann Schnee in Hülle und Fülle. Schnee- und Eisbruch beschäftigte mehrere Ortsfeuerwehren im Landkreis.“ Etwa bei einem siebenstündiger Großeinsatz in Hessisch Oldendorf für Feuerwehr, THW und DRK bei eisigen Temperaturen, als Anfang Januar tonnenschwere Schneemassen von einem 2000 Quadratmeter großen Warenhausdach geschaufelt werden mussten. Zehn Ortfeuerwehren mit über 120 Einsatzkräften waren im März in Groß Berkel im über 20 Stunden Einsatz, um einen Großbrand im alten Dorfkern, wo ein Wohnhaus und ein Anbau in Flammen standen, zu löschen. Eine defekte und in Brand geratene Kaffeemaschine im Lehrerzimmer der Grundschule Grohnde löste im April Großalarm in der Gemeinde Emmerthal aus. 35 Kinder sowie das Lehrerkollegium bleiben aber unverletzt. Gleich mehrere Strohballen- und Feldbrände Mitte August beschäftigen die Ortswehren. Eine Scheune brannte im September in Flegessen völlig aus, wobei im schwelenden Brandschutt plötzlich Pistolen, Gewehre, Revolver, Übungsmunition sowie Schwerter und Messer entdeckt wurden. Sofort wurde der geordnete Rückzug angetreten und durch die Polizei der Kampfmittelräumdienst gerufen. Im November kam es noch zu einem Hochwassereinsatz in der Gemeinde Emmerthal und zu einem Wohnhausbrand in Holzhausen mit vielen Brandnestern in den Zwischendecken des Fertighauses. Auch ein Wohnhausbrand Anfang Dezember in Benstorf forderte den Einsatz mehrere Wehren, da immer wieder Glutnester in den Zwischendecken durch den Einsatz einer Wärmebildkamera entdeckt wurden.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister berichtete zum Ausbildungsgeschehen, dass 114 Kameradinnen und Kameraden ihre Truppmannausbildung, Teil 1, absolvierten und 122 die Truppmannausbildung, Teil 2, abschlossen. 360 Brandschützer besuchten in der Feuerwehrtechnischen Zentrale Lehrgänge, 165 Feuerwehrangehörige wurden in Lehrgängen an den Landesfeuerwehrschulen Loy und Celle für Führungsaufgaben qualifiziert. Frank Müller erwähnte zudem das die aus 12 Mitgliedern bestehende Höhenrettungsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Oldendorf eine besondere Ehre zu teil wurde und sie mit dem 1. Platz des Bürgerpreises der Bürgerstiftung Weserbergland in der regionalen Kategorie „Alltagshelden“ ausgezeichnet wurde. Abschließend erwähnte der stellvertretende Verbandsvorsitzende die 445 öffentlichen Auftritte, die die 20 Musikzüge und ein Spielmannzug mit ihren 709 Musikerinnen und Musikern absolvierten. „Für Proben oder Übungsdienste und Auftritte brachten sie hierbei eine Gesamtstundenzahl von 4765 Stunden auf. Was wären wir bei Feuerwehrfesten und anderen Gelegenheiten oder auch heute bei der Verbandsversammlung, wo der der Feuerwehrmusikzug Afferde für die musikalische Umrahmung sorgt, ohne unsere Musik“, betonte Frank Müller.

Einblick in die Arbeit der Jugendfeuerwehren im Landkreis gab es vom Kreisjugendfeuerwehrwart Carsten Pook. Neben einen Blick auf die nüchternen Zahlen ließ Carsten Pook die Höhepunkte des 2010 Revue passieren mit dem Kreisjugendfeuerwehrtag in Aerzen, den Kreiswettbewerb in Oldendorf, den Kreissternmarsch in Emmerthal oder den Leistungsspangenabnahmen in Stolzenau, Hildesheim und Weyhe (näheres siehe Bericht über den Kreisjugendfeuerwehrtag 2011). Carsten Pook war in diesem Jahr zum neuen Kreisjugendfeuerwehrwart gewählt worden, weil der bisherige Amtsinhaber Christian Beermann im vergangenen Jahr nach kurzer, schwere Krankheit für alle unfassbar plötzlich verstorben war.

Bevor zu Höhepunkt der Versammlung der Verbandsvorsitzende Frank Wöbbecke und der Vize-Präsidenten des Niedersächsischen Landesfeuerwehrverbandes, Bernd Keitel, die Ehrungen vornahmen, verlieh Bernd Keitel noch dem Bezirkspressewart Jörg Grabandt den neuen Dienstgrad Hauptlöschmeister.

Dann wurden im Einzelnen geehrt:

mit der Ehrenmedaille des Kreisfeuerwehrverbandes Hameln-Pyrmont:
Oberbrandmeister Wolfgang Risch – Kirchohsen
Brandmeister Heinrich Bodenstab – Ohr
Hauptlöschmeister Hartmut Lange – Hachmühlen
Brandmeister Karl-Wilhelm Gerber – Kleinenwieden

mit der Ehrennadel in Silber des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen:
Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke - Kreisfeuerwehr
Oberbrandmeister Rolf Hüsing – Kreisfeuerwehr / Leiter FTZ

mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber:
Hauptlöschmeister Thomas Ebeling – Bad Pyrmont
Hauptbrandmeister Karl-Heinz Brockmann – Börry
Hauptbrandmeister Karsten Redecker – Leiter TEL / Fuhlen

mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold:
Erster Hauptbrandmeister Eckhard Bode – Aerzen

Die Versammlung sprach sich dafür aus, die Delegiertenversammlung 2012 mit dem Verbandstag am Freitag, 13. April 2012, wieder hier im Baxmann-Zentrum Hesssich Oldendorf durchzuführen. Einstimmig angenommen wurde zudem der Antrag der Ortsfeuerwehr Egge, den Verbandstag 2013 in Verbindung mit dem 75-jährigen Bestehen der Ortsfeuerwehr am Freitag, 7. Juni, im Rahmen des dortigen Zeltfestes durchzuführen. Weiterhin wurde Stephan Tschöke (Ortsfeuerwehr Hachmühlen) zum neuen Kassenprüfer bestimmt. Mit den Worten „Fest steht: Es bleibt spannend und die Aufgaben werden weder weniger noch einfacher. Jeder kann seinen Teil zum Gelingen beitragen“, beendete Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke die 38. Verbandsversammlung.

 

Bericht und Bilder: F.W. Thies, KPW

 

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