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09.09.2002 - Zusammenstoß von zwei Güterzügen

Das wichtigste in Kürze:

 

Einsatzbeginn Montag, 09. September 2002 - 20:51 Uhr
Einsatzort Bad Münder - Deisterbahnhof Richtung Hameln
Einsatzkräfte Diverse Ortsfeuerwehren aus Bad Münder, FF Hameln, TEL 2, Diverse Spezialfahrzeuge der Kreisfeuerwehr
 Einsatzstichwort Zugzusammenstoss - es brennt eine Lokomotive
 Lagemeldung der ersten Kräfte Zwei Güterzüge frontal zusammengestossen, ein Kesselwagen brennt
 Lagemeldung des Einsatzleiters Erkundung unter Vollschutz, da der Gefahrstoff zunächst unbekannt war
 Verletzte Personen Die beiden Lokführer wurden leicht verletzt
 Sachschaden (laut Polizei) bisher nicht ermittelt
Einsatzende Mittwoch, 11. September 2002 - 17:00 Uhr
Sonstiges Der Gefahrstoff wurde als Epichlorhydrin identifiziert.
 Dokumentation nur für den
 Dienstgebrauch!!!
Einsatzdokumentation als PowerPointDatei zum Herunterladen (Teil 1: Einsatz) (Teil 2: Folgemaßnahmen)

 

Am 09.09.2002 wurde die Feuerwehr Bad Münder um 20:51 Uhr zu einem Zugzusammenstoss in die Nähe des Deisterbahnhofes gerufen. Die erste Meldung der Leitstelle lautete: "Am Deisterbahnhof Bad  Münder sind zwei Güterzüge kollidiert, die Lokführer sind noch in den Loks eingeklemmt, eine Lok brennt!" Daraufhin rückte die 3. Gruppe der Ortswehr, die zum Zeitpunkt der Alarmierung ihren Gruppendienst auf dem Gelände der Fa. Rexam verrichtete, mit dem Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 und dem Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 zur Einsatzstelle aus. Da in der ersten Meldung noch nicht von  gefährlichen Stoffen die Rede war, fuhren die Fahrzeuge der FF Bad Münder noch direkt in die Nähe der Züge. Erst vor Ort wurde klar, dass ein Kesselwagen in Flammen stand und nicht der Triebwagen. Eine Menschenrettung war jedoch nicht erforderlich, da die beiden Lokführer den Einsatzkräften entgegengelaufen kamen. Sie wurden dem Rettungsdienst übergeben. Ein Einsatz mit Bereitstellung wurde eingeleitet, aber nicht mit den Löscharbeiten begonnen, weil die Oberleitung noch nicht abgeschaltet und geerdet war und dadurch eine erhebliche Gefahr für die eingesetzten Kräfte bestanden hätte. Aufgrund der zunächst einmal nur vermuteten Explosionsgefahr wurden die Einsatzkräfte immer weiter von dem brennenden Waggon abgezogen. Um 21:48 Uhr ereignete sich  eine erste Explosion, die die Kräfte aus etwa 100 m Entfernung erlebten. Daraufhin wurden alle Einsatzkräfte die inzwischen vor Ort waren bis zum Bahnhofsgebäude zurückgezogen. Da nun durch die Explosion deutlich wurde, dass sich in dem Kesselwagen Gefahrgut befand, wurden auch die Spezialkräfte des ABC-Zuges, des Umweltzuges, sowie weitere Feuerwehren aus dem Stadtgebiet Bad Münder und des Landkreises alarmiert. Noch während der Anfahrt dieser Kräfte wurde an der Einsatzstelle beschlossen die Brandbekämpfung unter Vollschutzanzug (CSA) durchzuführen. Die Einsatzleitung entschied sich für Schwerschaum als Löschmittel. Alle vier Gefahrstoff-Messwagen des Landkreises waren unmittelbar an der Einsatzstelle und im weiten Umkreis von Bad Münder im Einsatz, um eventuell vorhandene Schadstoffe in der Luft zu messen. Die unzähligen Messergebnisse lagen jedoch allesamt unter der Nachweisgrenze.

 

Durch die relativ kurze Einsatzzeit von ca. 20 Minuten waren die vorhandenen Vollschutzanzüge (CSA) schnell verbraucht. Weitere Anzüge und ausgebildete Träger wurden aus allen Gemeinden des Landkreises Hameln-Pyrmont, sowie aus den benachbarten Kreisen Holzminden und Region Hannover an die Einsatzstelle herangeführt. Im weiteren Verlauf unterstützen die FF Hameln und die BF Hannover mit je einem Abrollbehälter-Sonderlöschmittel (Schaum). Vom KKW Grohnde wurde der FwA-Schaum (Schaumwerfer-Anhänger) angefordert.

 

In der ersten Einsatzphase wurden durch die Polizei und das DRK vorsorglich ca. 200 Anwohner und Patienten der Reha-Klinik in Sicherheit gebracht, die Bewohner Bad Münders und der umliegenden   Dörfer wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Evakuierten konnten jedoch bereits im Laufe der Nacht wieder in ihre Häuser zurückkehren, da die Messergebnisse durchweg unterhalb der Nachweisgrenze lagen. Das Feuer konnte gegen 01:57 Uhr gelöscht werden, der Einsatz zog sich noch bis Mittwoch, 11.09. um 17:00 Uhr hin, weil immer wieder Schaum aufgebracht werden musste, um ein mögliches Ausgasen des Gefahrstoffes zu verhindern. Im Verlauf des Mittwochs stellten die Feuerwehren lediglich noch die Ex-Warngeräte um den Kesselwagen zur Verfügung, um ein Ansteigen der Schadstoffkonzentration in der Luft rechtzeitig zu bemerken. Die Geräte zeigten jedoch während der gesamten Einsatzdauer keine erhöhte Konzentration an.

 

Obwohl alle Messergebnisse unterhalb der Nachweisgrenze lagen, wurden bis heute ca. 250 Personen mit Kopfschmerzen oder Atemwegsreizungen ärztlich behandelt. Für alle Einsatzkräfte, die sich unmittelbar in der Gefahrenzone aufgehalten haben, wurden vom Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont vorsorglich Blutuntersuchen angeboten. Auch im Feuerwehrhaus Bad Münder und in den Einsatzfahrzeugen wurden Messungen durchgeführt. Die Ergebnisse waren auch hier allesamt negativ. Gerüchte, nach denen ein zweiter Gefahrstoff oder sogar Radioaktivität im Spiel waren, konnten durch die ABC-Messtrupps der Kreisfeuerwehr und der Polizei entkräftet werden. *)

 

 

Gemeinsame Presseerklärung von BGS und Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont Stand: 10.09.2002 / 03.00 Uhr

 

Zwei Güterzüge sind am 09.09.2002 um 20.45 Uhr frontal im Bahnhof Bad Münder zusammengestoßen. Dadurch trat aus einem Kesselwagen der Gefahrstoff Epichlorhydrin aus. Dieser bildet in Verbindung mit Sauerstoff ein explosionsfähiges Gemisch. Einzelne Kammern des Kesselwagens zerbarsten im weiteren Verlauf explosionsartig. Beide Lokführer wurden glücklicherweise nur leicht verletzt, und konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

 

Zu Beginn des Einsatzes wurde das nahegelegene Friederiken-Stift (Reha-Klinik) und die am Bahnhof gelegene Dyes-Siedlung durch die Polizei und das DRK evakuiert. Durch den Einsatz von 4 Messwagen der Feuerwehr und 2 der Polizei wurden im Laufe des Einsatzes weit über 50 Messungen in verschiedenen Abständen zur Schadenstelle durchgeführt. Bei keiner dieser Messungen konnte eine erhöhte Schadstoffkonzentration festgestellt werden.

 

Der Güterzug 51219 befand sich auf der Fahrt von Hannover-Seelze nach Mannheim. Er führte 18 Wagen mit unterschiedlicher Ladung. An achter Stelle befand sich der Kesselwagen mit Epichlorhydrin. Dieser Stoff ist weitgehend verbrannt, allerdings ist sowohl der Ursprungsstoff, als auch sein Verbrennungsprodukt schwerer als Luft und sammelt sich somit am Boden an. Der Einsatz der Feuerwehr zielte also neben der Brandbekämpfung auf eine Niederhaltung und Abdeckung des Schadstoffes am Boden ab. Die eingesetzten Kräfte konnten in unmittelbarer Nähe der Brandstelle nur unter Vollschutz arbeiten. Die Oberleitung wurde durch die Bahn AG um 21:57 Uhr geerdet, danach konnte mit den Löscharbeiten begonnen werden.

 

Der zweite Güterzug mit der Nummer 62848 befand sich auf der Fahrt von Heringen/Werra nach Hamburg. Er bestand aus 41 Wagen, welche mit Kalisalz beladen waren. Dieses Schüttgut ist jedoch ungefährlich: lediglich die ersten Wagen sind entgleist und / oder umgestürzt und der Inhalt auf dem Gleiskörper verteilt. Die zweigleisige Bahnstrecke ist bis auf weiteres gesperrt. Schienenersatzverkehr mit Bussen wird durch die DB AG eingerichtet.

 

Die Ermittlungen führt das Bundesgrenzschutzamt Hannover in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnbundesamt und Polizeibeamten der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont. Es wird grundsätzlich jegliches technisches oder menschliches Versagen geprüft. Aussagen zur Unfallursache sind bis auf weiteres nicht zu erwarten.

 

Gemeinsame Presseerklärung von BGS und Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont Stand: 10.09.2002 / 15:00 Uhr

 

Die zweigleisige Strecke zwischen Hameln und Springe ist nach wie vor gesperrt. Schienenersatzverkehr wird durch die DB AG aufrecht erhalten. Zur Zeit werden die am Zusammenstoss beteiligten rollfähigen Zugeinheiten durch Triebfahrzeuge vom Unfallort entfernt.

 

Gegen 17:00 Uhr wird ein Bergungszug der DB AG aus Fulda erwartet, der die ausgebrannten Wracks aus der Unfallstelle entfernt. Die Unfallstelle ist derzeit noch großflächig eingeschäumt, um ein Ausgasen des Gefahrstoffes zu vermeiden. In unmittelbarer Nähe des ausgebrannten Kesselwagens besteht nach wie vor eine latente Explosionsgefahr. Zum frühzeitigen Erkennen eines Luft/Schadstoffgemisches sind mehrere Explosionswarngeräte um die Unfallstelle herum installiert.

 

Insgesamt waren bisher 400 Kräfte der Feuerwehr, 200 des Bundesgrenzschutzes und 100 des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz.

 

Die polizeilichen Ermittlungen des Bundesgrenzschutzes in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnbundesamt dauern zur Zeit an. Da keine akute Gefahr mehr an der Einsatzstelle besteht, hat der Bundesgrenzschutz die Einsatzleitung von der Feuerwehr übernommen. Eine Gruppe der FF Bad Münder ist noch vor Ort, um die o.a. Explosionswarngeräte zu überwachen und zu bedienen.

 

Stand: 10.09.2002 / 18:00 Uhr

 

Die Einsatzstelle besteht nun nur noch aus Schienenfahrzeugen, die nicht mehr auf eigenen Rädern im Gleis bewegt werden können. Der Einsatz des Bergungszuges verzögert sich, weil - nach Aussagen der DB AG - nicht genügend schweres Gerät vor Ort ist, um diesen sinnvoll einsetzen zu können. Weiterhin erschwert die einsetzende Dunkelheit die Arbeiten.

 

 

Stand 11.09.2002 / 15:00 Uhr

 

Die Bahn AG und der BGS haben sich mit der Feuerwehr auf einen Abzug der Einsatzkräfte geeinigt, da eine unmittelbare Explosionsgefahr nicht mehr besteht. Die Unfallstelle wird durch die Bahn AG in Zusammenarbeit mit Fachfirmen geräumt werden.

 

Informationen der Stadt Bad Münder  -  Stand 12.09.2002

 

· Nach den aktuellen Messergebnissen der eingeschalteten Gutachterbüros besteht nach Aussagen des Landkreises Hameln-Pyrmont, dem die Federführung obliegt, keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung.

 

· Bei den bisherigen Luftuntersuchungen sind keine Schadstoffbelastungen festgestellt worden. Diese werden auch weiterhin kontinuierlich fortgeführt.

 

· Das Gesundheitsamt des Landkreises empfiehlt:  Es bestehen keine Einschränkungen in der Benutzung von Freiflächen in Kindergärten und Sportstätten. Es sind keine Beeinträchtigungen im Bereich der Nutzung von Schulhöfen. Zu keinem Zeitpunkt ist von dem Institut Geodata eine Luftbelastung festgestellt worden. Im Bereich von 500 Metern um den Unfallort am Bahnhof Bad Münder dürfen keine Feldfrüchte und Obst aus Vorsorgegründen geerntet und verspeist werden. Ebenso wenig sollte das dort lagernde Tierfutter verwendet werden.

 

· Abschliessende Ergebnisse von  Bodenuntersuchungen liegen noch nicht vor; für die Grundstücke in unmittelbarer Nähe wurden keine Schadstoffbelastungen im Oberboden festgestellt.

 

· Von einer Beeinträchtigung der Trinkwasserqualität nach der Trinkwasserschutzverordnung wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgegangen; trotzdem werden vorsorgliche Untersuchungen vorgenommen (Trinkwasserspeicher im Einzugsgebiet avacon und WBV Mühlenbachtal). Die Ergebnisse werden zu Beginn der nächsten Woche erwartet.

 

· Die Heilquellen sind nicht beeinträchtigt; trotzdem ist auch hier eine aktuelle Untersuchung durch die GeTour beauftragt worden.

 

· Messergebnisse im Feuerwehrgerätehaus Bad Münder zeigen keine Schadstoffbelastung durch Epichlorhydrin.

 

· Hinsichtlich des  Fischsterbens in der Hamel  wird derzeit vermutet, dass über die Entwässerung (Regenwasser / Löschwasser) des Gleiskörpers auch Konzentrationen in die Hamel gelangt sind; ein weiteres Eintreten von Schadstoffen über die Gleisentwässerung ist ausgeschlossen, weil entsprechende Zuläufe inzwischen geschlossen wurden.

 

· Gerüchte über radioaktive Strahlungen konnten durch umgehende Überprüfungen durch den ABC-Messtrupp des Landkreises und durch den Messtrupp der Polizei entkräftet werden. Dies untermauert auch die Aussage des Gefahrgutbeauftragten des Landkreises zum Unfallhergang.

 

· Nach Aussage des Gesundheitsamtes sind derzeit 125 Personen bekannt, die über Atembeschwerden, Augen- und Hautreizungen und Kopfschmerzen klagen.

 

Zu Ihrer weiteren Information findet eine Bürgerversammlung am Montag, 16. September 2002, 18.00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, OT Bad Münder, statt.

 

                         Mit freundlichen Grüßen ( Bürgermeisterin Nieber )

 

Presseerklärung Landkreis Hameln-Pyrmont  -  Stand:13.09.2002

Informationen zum Zugunglück in Bad Münder

 

Am 09.09.2002 um 20:45 Uhr hat sich im Bereich des Bahnhofs von Bad Münder ein schweres Zugunglück ereignet. Dabei ist die Substanz Epichlorhydrin ausgetreten und zum Teil verbrannt. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und weitere Spezialisten für Chemieunfälle haben vor Ort sofort nach Bekannt werden mit geeigneten Maßnahmen reagiert. Trotzdem kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass Menschen in der Nähe des Unfallortes während des Schadensereignisses mit Schadstoffen in Kontakt gekommen sind. Hier ist bekannt, dass sich bereits etliche Bürgerinnen und Bürger wegen Kopfschmerzen und Atemwegsreizungen in ärztliche Behandlung begeben haben. Um weitere mögliche Gesundheitsschädigungen rechtzeitig erkennen, erfassen und ggf. behandeln zu können, möchten wir über die wesentlichen Krankheitszeichen wie folgt informieren:

 

Epichlorhydrin: wirkt schädigend auf Leber und Nieren und stark reizend auf Augen und Schleimhäute. Bei Hautkontakt ist Blasenbildung möglich. Bei Einatmung ist je nach Menge mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder Wasseransammlung in der Lunge (Lungenödem) zu rechnen. Verursacht Verätzungen. Allergische Reaktion durch Hautkontakt möglich. Krebs erregend und Erbgut verändernd.

 

Wir bitten daher alle Personen, die sich in der Nähe des Unfallortes aufgehalten haben und bei denen danach die oben genannten Krankheitsanzeichen aufgetreten sind, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich beim Hausarzt, hausärztlichen Notdienst oder in einem Akutkrankenhaus vorzustellen. Sollte bereits ein Arztbesuch stattgefunden haben, empfehlen wir in Absprache mit dem behandelnden Arzt regelmäßige Nachuntersuchungen innerhalb der nächsten  Tage.

 

Das Gesundheitsamt bietet allen Patienten, die Krankheitserscheinungen hatten, eine Blutabnahme an, um gegebenenfalls auf andere Schadstoffe, die noch ausgetreten sein können, zu untersuchen. Die Patienten können sich ab Montag, dem 16.09.2002 bis Freitag, den 20.09.2002, in der Zeit von 08:30 bis 12:00 Uhr im Gesundheitsamt in der Hugenottenstr. 6 in Hameln melden.

 

Auskünfte erhalten Sie über unsere Hotline am Samstag (14.09.) und Sonntag (15.09.) in der Zeit von 10:00 bis 20:00 Uhr und Montag (16.09.) bis Freitag (20.09.) jew. von 08:00 bis 16:00 Uhr unter den Rufnummern 05151-918705 und 918701.

 

Gemeinsame Presseerklärung des Landkreises Hameln-Pyrmont und der Deutschen Bahn AG  15.09.2002, 14.30 Uhr

 

Beseitigung der am Unfallort in Bad Münder verbliebenen Schadstoffe

 

Auf Anordnung des Landkreises Hameln-Pyrmont hat die Deutsche Bahn AG die Firma DOW Deutschland, Stade, mit der Beseitigung der im Kesselwagens verbliebenen Restmenge Epichlorhydrin beauftragt. Der Spezialist der Firma Dow ist heute morgen am Unfallort erschienen und hat zusammen mit den Fachleuten von Landkreis und Deutscher Bahn die Entsorgung festgelegt. Er hat weniger als 200 Liter Flüssigkeit im Kesselwagen festgestellt. Die zunächst angegebene Menge von 1000 Litern ist zu hoch eingeschätzt gewesen. Er geht davon aus, dass es sich um Löschwasser vermischt mit Resten des Epichlorhydrin handelt.

 

Nach Einschätzung des Spezialisten der Firma Dow besteht während des Abpumpvorgangs keine Gefahr für die Bevölkerung. Deshalb wird auch keine Evakuierung der umliegenden Bereiche angeordnet. Bürgermeisterin Silvia Nieber von der Stadt Bad Münder hat mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in persönlichen Gesprächen den Anwohnern der Dyes-Siedlung und des unmittelbaren Bahnhofsumfeldes aus psychologischen Gründen eine Betreuung in der Deister-Süntel-Klinik angeboten.

 

Alle Einwohner Bad Münders und Umgebung können sich während des Abpumpvorganges unter freiem Himmel bewegen, ohne Gesundheitsgefahren befürchten zu müssen. Auch Sportveranstaltungen können stattfinden.

 

Von der Firma Dow wird ein Team am Nachmittag erwartet, das die Restmenge in einen Tankwagen umpumpen wird. Anschließend werden Spülungen durchgeführt. Auch das Spülwasser wird in den Tankwagen gepumpt. Der Inhalt des Tankwagens wird von der Firma Dow ordnungsgemäß entsorgt..

 

Der Abpumpvorgang wird heute beendet werden. Weitere Maßnahmen werden heute nicht durchgeführt. Im Laufe des Montags wird seitens der Deutschen Bahn mit dem Abräumen der Lokomotiven und Güterwagen von den Gleisen begonnen. Sie werden auf dem Unfallgelände verbleiben.

 

Für Rückfragen: Pressestelle Deutsche Bahn AG, Hans-Jürgen Frohns, Tel: 0511/286-3498

 

Presseerklärung des Landkreises Hameln-Pyrmont  -  Stand: 20.9.2002

 

Erste Ergebnisse der Blut-, Boden-, Wasser- und Gewässeruntersuchungen liegen vor

 

    Die Unfallsstelle in Bad Münder ist geräumt: Die Wracks sind alle von den Gleisen gehoben und auf dem Bahngelände in der ursprünglichen Waggonfolge aus Beweissicherungsgründen aufgereiht worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Unfallstelle noch nicht freigegeben, die Untersuchung des Unterbodens im Unfallbereich hat aber bereits begonnen. Die Ergebnisse werden in einem Sanierungskonzept münden, das von der Firma Geodata am Mittwoch vorgestellt wird. Erst dann lässt sich abschätzen, wann die Strecke für den Bahnverkehr wieder freigegeben werden kann. Das beauftragte Institut Geodata hat bislang 38 Wischproben, 16 Obstproben, 67 Bodenproben und 86 Wasserproben ausgewertet: Nur eine einzige Probe von Gehölzblättern aus dem direkten Unfallgebiet, dem sogenannten "Schwarzbereich", hat ein positives Ergebnis ergeben, das heißt dass eine geringe Belastung nachgewiesen werden konnte. Parallel zu diesen Ergebnissen wird das örtliche "Kompetenzteam der Freien Wählergemeinschaft Pro Bürger" als Gutachter ihres Vertrauens die Büros Dr. Wesseling in Hannover und ein Büro in der Nähe von Marburg beauftragen. Auch für diese zusätzlichen Kosten kommt die DB auf. Der Vertreter des Kompetenzteams Dr. Helmut Burdorf ist Mitglied im Krisenstab des Landkreises.

 

Die Blutuntersuchung der unmittelbar beteiligten Einsatzkräfte hat ergeben, dass sich bei 25% der untersuchten Einsatzkräfte Veränderungen der Leberwerte zeigen, 9 % davon sind nutritiv bedingt, das heißt durch Lebensgewohnheiten wie zu gutes Essen und Trinken, Genussmittelkonsum oder Übergewicht. 16 % zeigen Werte, die auf Kontakt mit einem Schadstoff hinweisen. Die Leberwerte sind geringgradig erhöht. Eine Behandlung ist nicht notwendig. Die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Helga Tödt, geht davon aus, dass sich die Leberwerte zurückbilden werden. Sie rechnet nicht mit Spätfolgen.

 

Die Blutergebnisse von Anwohnern werden zum Beginn der nächsten Woche erwartet. Bislang haben sich mehr als 450 Bürgerinnen und Bürger und 408 Einsatzkräfte untersuchen lassen. In vier Wochen folgt eine Nachuntersuchung unter Hinzuziehung von Vorbefunden der Hausärzte. Die neuen Blutproben werden eingefroren, um sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt neu entwickelten Analysemethoden unterziehen zu können.

 

Die Gewässeruntersuchung hat ergeben, dass die Hamel flussabwärts von der Teufelsbeeke bis Hasperde keinen Fischbestand mehr aufweist, im weiteren Verlauf ist der Fischbestand stark geschädigt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hamel von der Einleitungsstelle des mit Epichlorhydrin verseuchten Wassers in der Ortslage Bad Münder praktisch bis zur Mündung in die Weser fast ihren gesamten Fischbestand verloren hat. Zur Zeit untersucht das Nieders. Landesamt für Gewässer und Küstenschutz das Solesubstrat, das heißt den Gewässergrund der Hamel. Es wird vermutet, dass Löschwasser und vor allem Regenwasser, in dem ausgelaufenes Epichlorhydrin gelöst war, über die Abflusskanäle des Bahndamms in die Teufelsbeeke gelangt ist. Alle Entwässerungskanäle wurden aber bereits kurz nach dem Brand abgedichtet, so dass ein weiteres Eintreten von Schadstoffen aus dem Unfallbereich ausgeschlossen ist.

 

Die Beprobung der Heilquellen in Bad Münder ist mittlerweile abgeschlossen: Das untersuchende Institut Labor Union Prof. Höll und CoGmbH hat bekanntgegeben, dass alle Heilquellen keinerlei Belastung aufweisen, auch das Trinkwasser in Bad Münder ist unbelastet.

 

Bürgerinnen und Bürger können sich im Rahmen ihrer Schadensregulierung an das KundenServiceZentrum der DB Cargo AG, Masurenallee 33 in 47055 Duisburg, Tel.: 0203/454-2715 und Fax: 0203/454-1065 wenden. Bei medizinischen Fragen gibt das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes unter den Nummern 05151/918-701 und -705 montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr Auskunft. Der letzte Blutentnahmetermin für Bürgerinnen und Bürger im Gesundheitsamt, Hugenottenstraße 6 in Hameln ist am Montag, 23.09.02 von 16 - 18 Uhr.

 

Auch das Bürgertelefon der Stadt Bad Münder, Tel.: 05042/943-140 bleibt geschaltet: von montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr. Am 20.09.02 können Bürger und Bürgerinnen die Stadtverwaltung noch bis 18 Uhr erreichen.

 

 

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Die Einsatzstelle um ca. 03:30 Uhr

 

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Die Wracks sind eingeschäumt.

 

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Der Schaumteppich wird immer...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...wieder erneuert

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Ein Ausgasen des Gefahrstoffes...

 

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...soll verhindert werden.

 

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 Die Unfallstelle am...

 

h

...nächsten Morgen

 

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Der rollfähige Teil der Waggons...

 

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...wird vom Unfallort entfernt.

 

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Beim Zusammenprall wurden...

 

m

...enorme Kräfte freigesetzt

 

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Der Kesselwagen von der Nordseite...

 

o

...und von der Südseite der Gleise.

 

 

*) Text und Foto: Marko Klose Pw FF Bad Münder

 

Herausgeber: Nds. Ministerium für Inneres und Sport im Mai 2004

 

Zugunglück in Bad Münder Sitzung des niedersächsischen Landtages; Fragestunde Innenminister Schünemann beantwortet die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bartling und Brockmann (SPD) Die Abgeordneten hatten gefragt: Nach dem Zugunglück am 9. September 2002 in Bad Münder wurde die Besorgnis geäußert, dass mittelbar und unmittelbar am Unfallgeschehen Beteiligte sowie möglicherweise sogar die Bevölkerung gesundheitliche Schäden durch frei gewordene Chemikalien davongetragen haben könnten. Es wurden Untersuchungen zugesagt, um diesen Befürchtungen nachzugehen. Nach aktuellen Pressemitteilungen wurde in Feuerwehrversammlungen in Bad Münder und in Eimbeckhausen Unverständnis darüber geäußert, dass diese Untersuchungen für Beamtinnen und Beamte der Polizei und des Bundesgrenzschutzes abgeschlossen seien, sich dies aber für Feuerwehr und Bevölkerung noch hinziehen würde. Wir fragen die Landesregierung: 1.Ist die Information richtig, dass für Beamtinnen und Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz die entsprechenden Untersuchungen abgeschlossen sind? 2.Welche Gründe liegen für die bisher nicht erfolgten abschließenden Untersuchungen der Feuerwehrkräfte und der Bevölkerung vor, und kann die Landesregierung ausschließen, dass der finanzielle Aufwand für die Realisierung der noch notwendigen Untersuchungen ein Grund für Verzögerung bzw. Nichtdurchführung ist? 3.Ist die Information aus den Presseveröffentlichungen richtig, dass für Feuerwehr und Bevölkerung "weitaus feinere Messmethoden" angewandt werden sollen? Wenn ja, besteht die Absicht, für Polizei und BGS diese "weitaus feineren Messmethoden" nachträglich anzuwenden?

 

Innenminister Uwe Schünemann beantwortete namens der Landesregierung die Kleine Anfrage wie folgt: Der beim Bahnunfall in Bad Münder ausgetretene Stoff Epichlorhydrin ist eine giftige, Krebs erzeugende und Erbgut schädigende Substanz. Bei der Aufnahme in den Körper entstehen so genannte Hämoglobinaddukte, die zwar noch nichts über die gesundheitlichen Auswirkungen aussagen, aber es erlauben, die tatsächlich aufgenommene Epichlorhydrindosis nachträglich zu bestimmen. Nach dem Epichlorhydrin-Gefahrgutunfall in Bad Münder sind von verschiedener Seite unterschiedliche Untersuchungsmethoden eingesetzt worden, um mit komplexer und zeitintensiver Labordiagnostik der Frage nachzugehen, ob sich bei Einsatzkräften oder auch betroffenen Bürgern Hinweise auf einen Epichlorhydrinkontakt finden. Für Polizeivollzugsbeamte des Landes und des Bundesgrenzschutzes sind unmittelbar nach dem Unfall Adduktbestimmungen bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in Auftrag gegeben worden. Für diese Untersuchungen musste zunächst ein Verfahren aufgebaut und validiert werden. Das nunmehr entwickelte Verfahren ermöglicht es, Spitzenbelastungen sicher aufzudecken; ein vorgeblich empfindlicheres Verfahren aus Schweden konnte hingegen weder von den Instituten der MHH noch später der Universität Göttingen reproduziert werden. Die Adduktbestimmungen für die Polizei- und BGS-Beamten mit dem MHH-Verfahren sind abgeschlossen. Ebenfalls unmittelbar nach dem Unfall beauftragte die Feuerwehrunfallkasse das Umweltbundesamt mit spezifischen Untersuchungen an der Erbsubstanz einer Gruppe von Feuerwehrleuten. Die Gruppe besteht aus Personen, bei denen ein Kontakt mit Epichlorhydrin wahrscheinlich ist; sie wurden anhand der Ergebnisse der direkt nach dem Unfall vom Gesundheitsamt Hameln-Pyrmont eingeleiteten Leberwertbestimmungen ausgesucht. Der öffentliche Gesundheitsdienst (Niedersächsisches Sozialministerium, Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont) führt für alle Beteiligten ein mehrstufiges Untersuchungsprogramm durch. Dieses umfasst dabei nicht nur Anwohner, sondern auch Feuerwehrleute und sonstige Einsatzkräfte, bei denen zum Teil fremdveranlasste, das offizielle  Untersuchungsprogramm  ergänzende Untersuchungen vorgenommen  wurden. Dieses Untersuchungsprogramm besteht dabei sowohl aus epidemiologischen Untersuchungen wie aus Laborverfahren. Die Universität Göttingen, die im Rahmen dieses Programms den Auftrag für die umfangreichen Blutuntersuchungen einschließlich  Adduktbestimmungen erhalten hat, versucht u.a. derzeit, ein empfindlicheres Verfahren als die von der MHH bereits eingesetzte Methode zur Adduktbestimmung zu entwickeln. Einsatzkräfte und die Bürgerinitiativen sind in einer vom Kompetenzzentrum für Großschadenslagen im Ministerium für Inneres und Sport organisierten Informationsveranstaltung am 20.08.2003 in Bad Münder über das Untersuchungsprogramm zur Gesundheitsfolgenabschätzung informiert worden. Eine weitere Veranstaltung zum aktuellen Stand der Untersuchungen ist für den 01.06.2004 geplant.

 

Dies vorausgeschickt beantworte ich die Fragen namens der Landesregierung wie folgt: Zu 1: Ja. Es gibt zurzeit keinen wissenschaftlich begründeten Hinweis auf eine gesundheitliche Schädigung mit eventuellen bleibenden gesundheitlichen Folgen durch den beruflichen Einsatz beim Bahnunfall in Bad Münder. Zu 2: Der Zeitbedarf für das Untersuchungsprogramm zur Gesundheitsfolgenabschätzung ergibt sich aus der Komplexität der Untersuchungen, der Menge der zu untersuchenden Blutproben sowie der notwendig geworden Modifikationen im Untersuchungsablauf. Die zeitliche Streckung des Untersuchungsprogramms beruht auf den geschilderten Schwierigkeiten, das Verfahren zur Adduktbestimmung zu modifizieren und zu verbessern. Finanzierungsfragen haben keinen Einfluss auf die Untersuchungsdauer. Zu 3: Medizinisches Wissen und labortechnische Untersuchungsmöglichkeiten entwickeln sich ständig weiter. Die Medizinische Hochschule Hannover und die Universität Göttingen arbeiten an einer Verbesserung der Nachweisgrenze für Hämoglobinaddukte. Das Land hat - unabhängig von der Finanzierung der alternativen Methodenentwicklung in Göttingen - der MHH die für die Beschaffung einer Ionenquelle benötigten Mittel zur Verfügung gestellt, mit der voraussichtlich die Nach-weismöglichkeit um den Faktor zwei verbessert werden kann. Wenn mit der so verbesserten Methode oder mit der alternativen Methode auffällige Hämoglobinadduktnachweise bei den in den Labors vorhandenen Blutproben der mutmaßlich am höchsten belasteten Personen gelin-gen, besteht die Möglichkeit - wie im Zeitplan des Untersuchungsprogramms vorgesehen - die Untersuchungen auf die weiterhin noch eingelagerten Blutproben auszudehnen. Eine Ungleichbehandlung der Einsatzkräfte wird es prinzipiell nicht geben; die Blutproben der untersuchten Polizeibeamten sind im Institut für Arbeitsmedizin der MHH so gelagert, dass eine nochmalige Untersuchung jederzeit  möglich ist.

 

Ansprechpartner für den Inhalt dieser Presseinformation :  Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Lavesallee 6 30169 Hannover 0511/120-6258/ -6255 0511/120-6555

 

Pressespiegel 09.06.2004 - HAZ Deisteranzeiger

Bad Münder / Nach Bahnunglück vor zwei Jahren lassen erste Untersuchungsergebnisse hoffen

Erbgut ist nicht geschädigt

 

Für 96 Feuerwehrleute, die beim Bahnunglück in Bad Münder 2002 eingesetzt waren, gibt es eine gute Nachricht: An ihren Genen wurden keine Erbgutveränderungen festgestellt. Die Mitteilung überbrachte Dr. Tamara Grummt vom Bundesumweltbundesamt beim Info-Abend des Innenministeriums im Martin-Schmidt-Konzertsaal. Im Auftrag der Feuerwehrunfallkasse war unabhängig von den Blutuntersuchungen bei einer Kontrollgruppe eine „gentoxische Gefährdungsabschätzung“ vorgenommen. Das Ergebnis: „Wir haben nichts gefunden“, bestätigte die Wissenschaftlerin aus Bad Elster. Dennoch: Das bei dem Unfall auf dem Deisterbahnhof am 9. September vor 2002 frei gesetzte Epichlorhydrin (ECH) sei krebserregend, betonte die Toxikologin aus Sachsen. Um sicher zu gehen, müsse die Untersuchung in zwei Jahren zur Kontrolle wiederholt werden.

 

Ausgeräumt werden konnten die alle Ängste der Einsatzkräfte auch beim nunmehr zweiten Info-Abend des Kompetenzzentrums nicht, das die Landesregierung für Großschadenserereignisse eingerichtet hat. Der im Innenministerium für Katastrophenfälle zuständige Abteilungsleiter Günter Heiß konnte Vertreter aller beteiligten Labore und Behörden in Bad Münder begrüßen. Dr. Michael Müller von der Uni Göttingen musste die Anwesenden erneut vertrösten. Die von ihm vor einem Jahr angekündigte Untersuchungsreihe hat bislang nicht funktioniert. Nun werde mit einer eigenen Strategie die „Spurensuche“ aufgenommen. Ziel ist nach wie vor, herauszubekommen, ob sich an den roten Blutkörperchen Veränderungen nach dem Kontakt mit ECH ergeben haben. In der Medizinischen Hochschule Hannover ist eine erste Untersuchungsreihe dieser Hämoglobin-Addukte bereits abgeschlossen. Wie berichtet, waren bei der Untersuchung von BGS-Beamten ebenfalls keine Auffälligkeiten aufgetreten. Die Nachweisgrenze sei dabei aber relativ hoch gewesen, sagte Professorin Renate Wrbitzky von der Abteilung Arbeitsmedizin. „Wir suchen ein Stück Zucker im Bodensee.“ Mit einer „Ionenquelle“ werde nun versucht, die Lupe etwas schärfer zu stellen. Angepeilt werde eine zehnmal stärkere „Vergrößerung“. Mit Ergebnissen sei nicht vor September zu rechnen. Angesprochen wurde erneut das so genannte „Tripplequad“, ein Analysegerät, das die Messergebnisse weiter verfeiern könnte, beiden Instituten aber nicht zur Verfügung steht. Das 200 000 Euro teure Instrument sei aber kein „Leihwagen“. Andere Institute, die darüber verfügen, müssten sich auch erst in die besondere Untersuchungsproblematik einarbeiten. Das Trippelquad bleibe aber als letzte Möglichkeit bestehen.

 

Den „Konkurrenzkampf“ unter den Instituten bezeichnete Dirk Reinecke vom Verein „Störfall Bad Münder“ als Mittel zum Zweck. „Wir wollen die besten Ergebnisse“, sagte er dem Deister-Anzeiger. Er beruhigte die Feuerwehrleute, die befürchten, dass nicht jede der tiefgefrorenen Blutproben sofort an die Reihe kommt. „Wichtig ist Klasse, satt Masse“, sagte er. Für die Untersuchung sei zu dem Referenzproben nötig. Dazu sollen Chemiearbeiter, die ständig mit Giftstoffen hantieren untersucht werden. Erst dann könne eine „Messlatte“ aufgehängt werden, die verlässliche Aussagen zulässt. mm

 

„Störfall“ weiter aktiv

 

Aus dem Bahnunglück sind immer noch nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen worden. Diese Ansicht vertritt der Verein „Störfall Bad Münder“. Auch knapp zwei Jahre nach der Explosion eines Kesselwagens auf dem Deister-Bahnhof gebe es keine bundeseinheitlichen Strukturen, wie bei Gefahrgutunfällen zu verfahren ist, sagte Vorsitzender Dirk Reinecke bei einem Treffen mit Vertretern aus Osnabrück und Schönebeck im Deutschen Haus in Bad Münder.

 

1996 in Sachsen-Anhalt sowie 2002 und 2004 am Drehkreuz der Bahn in Osnabrück war es zu ähnlichen Unfällen wie in Bad Münder gekommen. Einsatzleiter Werner Laurich (Schönebeck) sowie der Dezernent der Stadt Osnabrück für das Feuerwehrwesen, Dieter Zimmermann, berichteten von ihren Erfahrungen. Bad Münders Bürgermeisterin Silvia Nieber forderte allgemeine Standards, die für alle Kommunen gleich sind. „Egal, ob arm oder reich“, sagte sie. Hameln-Pyrmonts Kreisbrandmeister Dieter Schulz bedauerte, dass es immer noch nicht zu einer Einigung zwischen der Bahn und der Stadt Hameln über die Notfall-Erdung der Stromleitungen an der S-bahn-Linie nach Hannover gekommen ist. Auch die Kennzeichnung der Gefahrstoffe an Bahnwaggons und Lastwagen sei immer noch nicht ausreichend, kritisierte Dirk Reinecke. Die Bahn verweigere sich modernen Ortungssystemen wie dem GPS, wie sie überall erhältlich seien. Hart ins Gericht ging der Vorsitzende auch mit dem Kompetenzentrum des Landes, das nur administrative Funktionen habe. Notwendig sei eine bundeseinheitliche Führungsstruktur. mm

 

 


Pressemitteilung der FUK Nds. vom 20.08.2004

 

Zwei Jahre nach Gefahrgutunfall mit Epichlorhydrin

Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen stellt Untersuchungsergebnisse vor

 

 

Ca. 400 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Bad Münder waren bei dem Gefahrgutunfall im Bahnhof Bad Münder am 09.09.02 im Einsatz. 96 von ihnen wiesen nach dem Einsatz erhöhte Leberwerte auf. Bei ihnen wurde auf Veranlassung der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen ein so genanntes Biomonitoring durchgeführt. Diese Spezialuntersuchung, für die Frischblut der betroffenen Feuerwehrangehörigen entnommen worden war, wurde im Umweltbundesamt im sächsischen Bad Elster vorgenommen.

 

Dr. Tamara Grummt vom Umweltbundesamt, die die Untersuchungen der Blutkonserven der Bad Münder Feuerwehrangehörigen geleitet hatte, stellte in einer Informationsveranstaltung der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen in der Rohmelbadgaststätte in Bad Münder am 19.08.04 vor über 100 am damaligen Einsatz beteiligten Feuerwehrangehörigen das Biomonitoring-Verfahren und die Untersuchungsergebnisse vor. Auch Vertreter/innen aus Rat und Verwaltung der Stadt Bad Münder sowie die örtliche Landtagsabgeordnete Ursula Körtner nahmen auf Einladung der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen an der Veranstaltung teil.

 

Dr. Grummt: „Epichlorhydrin hat eine humankanzerogene Potenz, kann also beim Menschen Krebs auslösen. Mit unserem Verfahren können wir nachweisen, ob ein Kontakt mit Epichlorhydrin im Einzelfall konkret ein erhöhtes Krebsrisiko ausgelöst hat.“ In dem Biomonitoring werden in der Blutprobe Chromosomen separiert und unter dem Elektronenmikroskop auf mögliche Veränderungen untersucht. Dr. Grummt: „Wenn keine Chromosomenveränderungen nachweisbar sind, dann hat die Epichlorhydrineinwirkung keinen Schaden gesetzt. Wenn allerdings ein Schaden gesetzt worden ist, dann wäre er jetzt und auch in Zukunft nachweisbar.“ Dr. Grummt konnte den Anwesenden die Botschaft überbringen, dass alle Untersuchungsergebnisse negativ ausgefallen sind. Ein durch den Gefahrgutunfall ausgelöstes erhöhtes Krebsrisiko ließ sich nicht nachweisen. Die Nachricht löste bei allen Betroffenen große Erleichterung aus. Eine Wiederholungsuntersuchung, mit der die Untersuchungsergebnisse abgesichert werden sollen, gehöre, so Frau Dr. Grummt, zum medizinischen Standard; sie werde im 4. Quartal 2004 beginnen.

 

Thomas Wittschurky, amtierender Geschäftsführer der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen: „Die Gruppe der 96 untersuchten Feuerwehrangehörigen ist repräsentativ für alle am Einsatz Beteiligten hinsichtlich der Einsatzbreite und der  Intensität der Schadstoffeinwirkung. Deshalb können wir Rückschlüsse ziehen auf das Gefährdungsrisiko der nicht untersuchten Feuerwehrleute.“ Dennoch: Alle bisher nicht untersuchten Feuerwehrangehörigen können sich auf Kosten der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen dem Biomonitoring unterziehen. Wittschurky: „Trotz aller bisher vorliegenden Erkenntnisse: Wir können und wollen nicht riskieren, dass ein nicht untersuchter Feuerwehrangehöriger die Angst in sich herumträgt, er könne durch seinen Einsatz für die Allgemeinheit an Krebs erkranken. Angst ist ein schlechter Begleiter und kann dienstunfähig machen.“ Deshalb sehe es die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen als Teil ihres Präventionsauftrages an, allen Einsatzkräften das Biomonitoring zu ermöglichen. Die Blutproben sollen zu Beginn des nächsten Jahres abgenommen werden.

 

Die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen ist der gesetzliche Unfallversicherungsträger für rund 217.000 Feuerwehrmitglieder in Niedersachsen und damit die größte Feuerwehr-Unfallkasse in Deutschland.

 

Hannover, den 20.08.04

Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Tel. 0511 98 95 431
V.i.S.d.P.: Thomas Wittschurky, Geschäftsführer (komm.)